Schwein schaut aus einem Transporter heraus

Unfall mit Schweinetransporter auf der A1

Auf der A1 im Bergischen Land ist in der Nacht zu Dienstag ein mit 170 Schweinen beladener Transporterverunglückt. Der Lkw kam gegen 0.10 Uhr zwischen Wermelskirchen und Burscheid in Fahrtrichtung Köln aus bislang ungeklärter Ursache von der Fahrbahn ab, rutschte in den Grünstreifen und kippte um. Der 43-jährige Fahrer wurde leicht verletzt und ambulant in einer Klinik behandelt. Die Autobahn blieb wegen der Bergung bis in den Vormittag gesperrt. 

Für die Tiere hatte der Unfall deutlich schwerere Folgen. Mehrere Schweine wurden tot auf der Ladefläche gefunden, weitere waren so schwer verletzt, dass sie von Veterinärinnen und Veterinären vor Ort getötet werden mussten. Die überlebenden Tiere wurden in andere Transporter umgeladen und abtransportiert.

Wenn Tiere zur Fracht werden 

Solche Unfälle werden oft als Verkehrsmeldung behandelt: Lkw umgekippt, Stau, Sperrung aufgehoben. Tatsächlich zeigen sie aber auch eine Realität, die im Alltag meist unsichtbar bleibt. 170 lebende Tiere auf einem einzigen Lastwagen – das ist kein außergewöhnlicher Sonderfall, sondern Teil eines Systems, in dem Schweine in großer Zahl zwischen Zucht, Mast und Schlachtung bewegt werden. Wenn dabei etwas schiefgeht, wird aus der nüchternen Logistik schlagartig sichtbares Leid.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit nennt beim Transport von Schweinen unter anderem Stress, Verletzungen, Hitze, Durst, Bewegungseinschränkungen und Überforderung durch Lärm und Reize als besonders relevante Tierschutzprobleme. Selbst ohne Unfall ist der Transport also eine Belastung. Ein gekippter Lastwagen macht diese Belastung nur auf brutale Weise unübersehbar. 

Der Unfall auf der A1 ist deshalb mehr als eine kuriose Nachricht aus dem Berufsverkehr. Er ist eine Erinnerung daran, welchen Preis die industrielle Tierhaltung oft aus dem Blickfeld verdrängt: Tiere werden wie Warenströme organisiert – effizient, eng getaktet, störanfällig. Erst wenn ein Transporter im Graben liegt, wird sichtbar, dass auf dieser Lieferkette keine Gegenstände unterwegs sind, sondern empfindungsfähige Lebewesen.