Scheiß auf diesen öffentlichen Bärendienst, der immer wieder dieselben ausgelaugten Tracks einbalsamiert und feierlich erneut zu Grabe trägt.
Ich operiere nach der offenbar ketzerischen Annahme, dass Hörer keine Idioten sind und Musik nicht vorgekaut, in Fokusgruppen weichgespült, desodoriert und wie Sirup in die Ohren geistig dressierter Stubenhocker gelöffelt werden muss.
Unter dem Namen DJ Absurd spiele ich die Platten, die man sich gewünscht hätte, wenn die Kultur der Neugier nicht längst mit dem Knüppel den Schädel eingeschlagen hätte.
Bei mir laufen übersehene Brandstifter, schielende Meisterwerke, drahtige Umwege für den Dancefloor und Tracks mit genug Dreck, Witz, Hässlichkeit, Swing und Nerv, um daran zu erinnern, dass Musik einmal ein gefährliches Vergnügen war und keine verwaltete Konsumdienstleistung.
Mein Musikgeschmack war nie Lifestyle-Tapete und nie ein Sedativ in Playlistform.
Er war Leidenschaft, Zuflucht, Zwang und lebenslanger Komplize.
Ich habe Jahre damit verbracht, in den Gruben zu grooven, Liner Notes zu studieren, Diskografien zu durchforsten, Szenen zu ihren Anstiftern zurückzuverfolgen, die Mutationen von Genres bis in Sackgassen und Geheimgänge hinein zu verfolgen und Mixe zu bauen — für andere Musikbesessene, für Roadtrips, für die Umbaupausen zwischen Bands, für Clubs, Bars und für Räume voller Menschen, die noch nicht wussten, wonach sie suchten, bis es ihnen in die Rippen fuhr.
Von Rockclubs, in denen das Offensichtliche verboten war, bis zu Nächten in den kultischen Metal- und Punkkneipen der Düsseldorfer Altstadt hat mich ein Verdacht nie losgelassen: Das Publikum wird beleidigt von dem, was man ihm vorenthält.
Pop ist Small Talk für Menschen mit Angst vor der Stille.
Gib mir stattdessen tiefe Gespräche aus Konfrontation, Verführung, Reibung, Überraschung und dem ekstatischen Durcheinander, das entsteht, wenn man etwas hört, das sich nicht benehmen will.